Mann spürt Obdachlosen auf und macht ihm ein Geschenk.

Wer kennt es nicht: Miete, Rechnungen und andere Ausgaben saugen das Geld förmlich vom Konto und am Ende des Monats ist auch das, was man eigentlich sparen wollte, plötzlich weg. Noch schlechter geht es den Menschen, die jeden Cent zweimal umdrehen müssen, damit es am Ende des Monats überhaupt noch für den Einkauf reicht. In Deutschland schon länger veraltet, gibt es in den USA eine Möglichkeit, auch in „Trockenperioden“ schnell an Geld zu kommen, indem man Schmuck oder andere Wertgegenstände bei einem Pfandleihhaus verpfändet.

Außerdem kann man sich dort sogenannte Pfandbriefe ausstellen lassen, die mit Geldanlagen vergleichbar sind. Man kann diese Pfandbriefe, die auch Schuldscheine genannt werden, jederzeit bei einer Bank einlösen und sich das Geld auszahlen lassen. Je länger man damit wartet, desto wertvoller werden die Papiere. In den 1960er-, 1970er- und 1980er-Jahren waren solche Anlagen bei jungen Männern und Frauen in den USA sehr beliebt.

Auch der 21-jährige Woodrow Wilson jr., der in den 1980er-Jahren als Soldat in Kansas (USA) stationiert war, suchte dort 1981 solch ein Pfandleihhaus auf, um Geld für seine Zukunft anzulegen. Damals hätte er nicht gedacht, dass diese Tat einmal sein Leben retten würde. Im Laufe der Jahrzehnte hatte er nämlich völlig aus den Augen verloren, dass er dort ein bisschen Geld angelegt hatte.

Das Pfandleihhaus The Jack & Dick’s Pawn Shop, welches der junge Woodrow ausgewählt hatte, wechselte indes im Laufe der Jahrzehnte mehrere Male seinen Besitzer. Chris Mathis übernahm nach seinem Vater das Familienunternehmen. Er wollte als neuer Chef Ordnung in die Papiere bringen und durchstöberte alte Dokumente noch aus der Zeit seines Großvaters. Dabei fand er mehrere Schätze.

Denn in den Schubladen seines Vorgängers befanden sich mehrere Schuldscheine, die in den letzten 30 bis 50 Jahren von verschiedenen Personen, vor allem Soldaten, angelegt worden waren. Dabei handelte es sich keinesfalls um „Kleckerbeträge“, sondern inzwischen um kleine Vermögen. Chris vermutete, dass die meisten der Anleger sicher nichts mehr von ihren alten Pfandbriefen wussten. Anstatt das Geld Geld sein zu lassen, startete er jedoch eine wunderbare Aktion.

„Ich habe ein bisschen recherchiert und dabei erfahren, dass sie alle beglichen sind und sogar an Wert gewonnen haben. Ich dachte mir, dass alle Veteranen vom Stützpunkt Fort Riley, welche die Schuldscheine anlegt hatten, daran interessiert wären zu erfahren, dass sie nun eingelöst werden könnten“, erzählt Chris über seinen Plan. Zunächst einmal suchte er mithilfe eines Aufrufs auf seiner Facebook-Seite nach den Besitzern der Pfandbriefe.

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Einige der ehemaligen Soldaten waren außerdem per Telefonbuch gut zu finden, andere erwiesen sich als „harte Nüsse“. Besonders der mittlerweile 58-jährige Woodrow, dessen Schuldschein auch unter den Fundstücken war, bescherte Chris Kopfzerbrechen. Der Pfandleiher heuerte sogar einen privaten Ermittler an, um den Mann zu finden. Dieser konnte aber lediglich feststellen, dass Woodrow mittlerweile in Chicago lebte. Da seine letzte Adresse zu einer Unterkunft für Wohnsitzlose führte, ging er davon aus, dass der ehemalige Soldat inzwischen leider auf der Straße lebte.

Dieser Fakt befeuerte Chris’ Plan jedoch zusätzlich, denn er wollte besonders diesem Mann mit dem Geld helfen, um ihn von der Straße zu holen. Trotz aller Bemühungen, einen Kontakt über die Unterkunft zu knüpfen, blieb Woodrow verschwunden. Dann wendete sich aber das Blatt, als sich der Reporter einer Zeitung der Sache annahm.

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Denn Chris ließ als letzten Versuch eine Annonce in einer Chicagoer Zeitung mit der Bitte um Hinweise zu dem Aufenthaltsort von Woodrow Wilson jr. aufsetzen. Es trudelten viele Tipps von Menschen ein, die den Gesuchten erkannt hatten.

Mitch Armentrout von der „Chicago Sun-Times“ war von Chris' selbstloser Aktion so berührt, dass er sich auf eigene Faust auf die Suche nach dem Obdachlosen machte. Und tatsächlich konnte er den Mann auf den Straßen Chicagos aufspüren! Nun folgte aber die zweite schwere Aufgabe für den Reporter – er musste Woodrow von seinem Glück überzeugen.

Youtube/Chicago Sun-Times

Als Mitch dem verdutzten Woodrow die Nachricht überbrachte, dass seine Schuldscheine nun eingelöst werden könnten und er satte 3.000 Dollar (etwa 2.500 Euro) bekommen würde, war der Wohnsitzlose zunächst skeptisch. Er erinnerte sich zwar an die Schuldscheine, aber dachte trotzdem, dass der Reporter ihn veräppeln wolle. „Er hat mir von den Schuldscheinen erzählt und was sie wert waren, dennoch konnte ich es nicht glauben“, berichtete Woodrow von seiner ersten Reaktion.

Er konnte sich nicht vorstellen, wieso ein Wildfremder ihm helfen wollte. Er wagte es nicht einmal, von einer solchen Summe zu träumen. Der Reporter konnte Woodrow jedoch zu einem weiteren Treffen überreden. Als er dabei mit Mitch und dem Anwalt von Chris zusammenkam, der ihm die Scheine und einen Brief des Pfandleihers übergab, begriff er endlich sein Glück.

Überwältigt davon, dass die Geschichte wahr ist, bedankte sich der ehemalige Soldat per Telefon überglücklich bei Chris. Woodrow war gerührt von der Güte des Pfandleihers. „Er hätte das Geld einfach behalten können. Ich bin wirklich dankbar, dass er mir geholfen hat.“

Youtube/Chicago Sun-Times

Mit Hilfe von Mitch und dem Anwalt legte er ein Konto an und hob einen Teil des Geldes ab, um für seine Tochter, seine Freundin und sich selbst neue Kleidung zu kaufen. Mit diesem Geld konnte er mehrere Monate weg von der Straße und, geschützt vor der Kälte, überleben.

Im folgenden Video kannst du dir die Übergabe der Pfandbriefe durch den Reporter und den Anwalt anschauen (in englischer Sprache):

Chris beweist, dass es noch ehrliche Menschen auf dieser Welt gibt. Anstatt das Geld für sich zu behalten, hat er das Richtige getan. Mit dem Gefühl, einem armen Mann ein warmes Bett verschafft zu haben, lebt es sich sicher besser als mit einem prall-gefüllten Konto mit dem Geld von Kunden.

Quelle:

ntd.tv

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