Lehrer entsetzt, als sie die gemalten Schüler-Bilder sehen

Wenn Kinder gefragt werden, was sie später einmal werden wollen, dann sind ihre Antworten auf diese Frage oft abhängig von der Region, in der sie leben, vom Beruf ihrer Eltern, aber auch von ihrem Geschlecht. Die wenigsten Jungen wollen Balletttänzer werden, sie wären lieber Feuerwehrmann, Polizist oder Profi-Fußballspieler. Ebenso verhält es sich mit den Mädchen, die lieber Ärztin oder Lehrerin werden wollen und nicht Bauarbeiterin.

Eine wissenschaftliche Umfrage unter mehr als 20.000 Grundschulkindern aus 20 verschiedenen Ländern hat nun eine große Problematik der heutigen Gesellschaft aufgedeckt, die zwar hinlänglich bekannt sein sollte, jedoch neuesten Einschätzungen zufolge Auswirkungen auf unsere Zukunft haben wird.

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Im Laufe ihrer Entwicklung durchlaufen Kinder in ihrer Identitätsfindung unterschiedliche Prozesse. Ein wichtiger Grundstein dafür ist die Identifikation mit dem eigenen Geschlecht. Dieser Prozess startet schon recht früh und wird von sehr jungen Kindern nicht bewusst wahrgenommen. In dieser Phase spielen Jungen noch mit Puppen und Mädchen noch mit Spielzeugautos. Sobald sich die Kinder ihres Geschlechts jedoch bewusst werden, verändern sich auch ihre Interessen.

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Diese geschlechtsspezifische Stereotypie wird nicht nur vom sozialen Umfeld an die Kinder vermittelt, sondern auch von der Gesellschaft. Denn auch wenn Vater und Mutter sich die größte Mühe geben, ihren Sprössling geschlechtsneutral zu erziehen, wird dieser mit ziemlich großer Sicherheit von Kindergartenfreunden oder Schulkameraden mit altbekannten Stereotypen konfrontiert. Wenn andere Kita-Kinder den Sohnemann dann entsetzt fragen, warum dieser ein rosafarbenes T-Shirt trägt, „weil Rosa ja nur etwas für Mädchen ist“, wird das Kind seinen Eltern das nun verteufelte Shirt beim nächsten Griff in den Kleiderschrank höchstwahrscheinlich um die Ohren hauen.

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Die britische Organisation „Education and Employers“ startete eine weltweite Umfrage, in der 20.000 Grundschulkinder aus 20 verschiedenen Ländern dazu befragt wurden, was sie einmal werden wollen, wenn sie groß sind. Dazu sollten die Kinder ihren Traumberuf auf Papier malen. Bei der Auswertung der Bilder stellte sich schnell heraus, dass sich Kinder nur sehr, sehr selten an andersgeschlechtlichen beruflichen Vorbildern orientieren. Daraufhin startete die Organisation das Projekt „Inspiring the Future“ (auf Deutsch: Inspiriere die Zukunft), um gegen die geschlechtsspezifische Stereotypie anzugehen. 

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Dafür werden Frauen und Männer, die in ihren Berufen diese stereotypische Klassifizierung durchbrechen, in Schulen eingeladen, um den Kindern von ihrem Berufsalltag zu erzählen. Ob Feuerwehrfrau oder Visagist – mit ihren Vorträgen im Klassenzimmer bewirken viele von ihnen bei den Kindern ein Umdenken. Auch wenn man ein Mädchen ist, kann man später eine Boeing 737 fliegen oder auf der Baustelle einen Radlader fahren. Und auch ein Junge kann Häuser und Wohnräume einrichten oder Fingernägel lackieren, wenn er das möchte. Den Kindern zu vermitteln, dass es bei der Berufswahl keine geschlechtlichen Grenzen gibt und dass ihnen alle Möglichkeiten offenstehen, ist das Ziel dieses Projekts.

Hier kannst du dir ein Video zu dem Projekt ansehen (Englisch):

Über 10.000 Freiwillige konnte die Organisation schon für dieses Projekt gewinnen und mittlerweile wird sie sogar von der britischen Regierung unterstützt, die sich davon eine Veränderung im Denken der heutigen Gesellschaft erhofft. Denn wenn wir das Schubladendenken von Generation zu Generation weitergeben, wird diese geschlechtsspezifische Stereotypie noch in den Köpfen unserer Kindeskinder verankert sein. Dabei wäre es so viel schöner, den Kindern klarzumachen, dass in ihrer Zukunft gar keine Grenzen existieren.

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